Eine Bäuerin will nicht mehr!

Dass Kühe kommen und gehen, hat Madlen Zimmermann schon seit ihrer Kindheit miterlebt. Zwar tat es ihr damals schon leid, aber es war nun einmal so. Trotz dieses Aspektes ist sie im erwachsenen Alter Bäuerin geworden, denn die Zeit, welche sie mit den Tieren verbringen durfte, erfüllte sie so sehr, dass sie eine tiefe Liebe und Verbindung zu ihnen fand.

Den Hof hat sie später von ihrer Familie übernommen und der Betrieb ging traditionell weiter. In der Zwischenzeit nahm Madlen Zimmermann aber auch immer wieder Pferde auf und rettet sie vor dem Schlachthof.

Und dann, vor ein paar Jahren läutete bei ihr auch das Telefon mit der Selben Anfrage für eine Kuh.

Jetzt fand das Umdenken statt. Wieso eigentlich „nur Pferde“ retten, warum nicht auch Kühe! überlegte Madlen und so kam Noel auf den Hof.

Ein Jahr später kam eine zweite Kuh dazu, welche trächtig den Gang in den Schlachthof hätte antreten sollen. Und mit dieser Kuh, kam auch die Tierpflegerin Pascale Pineroli auf den Hof. Eine Vegetarierin die sich auch schon lange für das Wohl der Tiere einsetzt.

Als diese dann ihre gerettete Kuh im Sommer auf der Alp besuchte, sassen die beiden Frauen zusammen und Madlen meinte. „Eigentlich hätte ich gerne alles Gnadenhofkühe. Ich mag nicht mehr, dass ich meine Kleinen nach einer Weile immer  wieder in den Schlachthof bringen muss. Es bricht mir jedes Mal fast das Herz!“

So wie Madlen geht es vielen Bauern. Sie stehen mit ihren Kühen zusammen unter einem grossen Leistungsdruck und wissen keinen richtigen Ausweg. Was sollen sie denn sonst tun? Wovon leben? Es war eben schon immer so.

Einige Bauern möchten am Tag, wo ihre Kühe für den Schlachthof abgeholt werden, erst gar nicht dabei sein, weil es ihnen wehtut, zuzusehen wie diese gehen müssen. Madlen hat ihre Kälber immer bis zum Schluss begleitet. „Das bin ich ihnen wenigstens schuldig.“, erzählte sie.

Es braucht Mut um das zu tun und zu sagen was Madlen Zimmermann verriet. Und diese Tatsache gab den Anstoss für die Umwandlung zum Tiergnadenhof.

Doch ein solches Unternehmen lässt sich auch nicht so einfach von heute auf morgen aus dem Ärmel schütteln. Viele Fragen tauchten auf.

Wie sollen wir das richtig anpacken? Wovon soll das Ganze leben? Wie sollen wir die Kühe überhaupt ernähren? Wie wird es ankommen? Was braucht es alles dazu? Welche Kühe sollen und können aufgenommen werden? Und nicht zuletzt, was sollen die Kühe dann tun? Wie sollen sie leben? Was für einen Sinn (ohne Nutzen) hätte das überhaupt?

Fragen über Fragen, wurden von den beiden Frauen gut durchgekaut und wiedergekaut. Und alles liess sich sicherlich auch nicht gleich zu Beginn ganz beantworten. Eines ist allerdings sicher, trotz der grossen Arbeit, wird es sich lohnen, für die Kühe und für die Menschen.

 

 

 

ES BEGANN ALLES MIT NOEL

Dieser Zeitungsartikel wurde im Walliser Bote am 3.Januar 2009 veröffentlicht.

Noel war unser erstes gerettete Tier, dass uns bewog den Betrieb neu auszurichten. Er gab uns Mut etwas, für den Kanton Nidwalden neuartiges, zu realisieren. Es zeigte uns auf, dass dieses Konzept ein Bedürfnis für die Gesellschaft darstellt. Viele Menschen wollen etwas gutes tun für Tiere und sind bereit sich finanziell, mittels Patenschaft, zu beteiligen. Ihr grösstes Anliegen ist, dass es den Vierbeinern gut geht.